Reisbericht Grönland, Kangerlussuaq & Ilulissat - Juni 2013

Na das geht ja gut los!

 

Irgendwie habe ich mich da reingesteigert und nun führt kein Weg daran vorbei – ich will nach Grönland, an die Westküste, nach Ilulissat* in die Disko-Bucht oberhalb des nördlichen Polarkreises.

Was erwartet mich dort? Ganz sicher Eisberge, vielleicht auch Wale, das Erlebnis der Mitternachtssonne, Schlittenhunde, gigantische Gletscher, abgelegene Fischersiedlungen und.. ich lass mich überraschen. Im März buche ich die Reise und muss von da an voller Aufregung und Vorfreude bis Ende Juni abwarten.

 

Seit Wochen verfolge ich nun schon das Wetter und die immer länger werdenden Tage in Ilulissat über die Webcam des Hotels "Arctic". In dieser Zeit wechseln sich längere Regen- und Nebelperioden mit karibisch anmutendem Sonnenschein ab. Wie wird das Wetter wohl in der Woche sein, die ich in Ilulissat verbringe?

Ich nehme mir jedenfalls vor, den lokalen Wetterbericht auf gar keinen Fall vorher zu studieren.

Kurz vor Anbruch der Reise kommen mir allerdings Zweifel, ob die bereits eingepackte Kleidung auch warm genug ist. Na was soll‘s - ein kurzer Blick, mit nur einem Auge, auf den Wetterbericht kann nicht so verkehrt sein. Kaum ist die 14 Tage Prognose aufgerufen, reiße ich erschrocken beide Augen weit auf - die Vorschau prophezeit Regen und zwar vom Tag der Ankunft bis zum Tag der Abreise.

Eigentlich soll dies ein reiner Fotoausflug werden und wenn ich auch nichts gegen ein oder zwei Regentage einzuwenden habe, käme ein völlig verregneter Ausflug einer Katastrophe gleich.

 

*Ilulissat - im dänischen Jakobshavn - (Breitengrad: 69° 12′ 59″ N) war die Heimat des Polarforschers Knud Rasmussen und wurde 1741 durch Jacob Severin mit einer ersten Niederlassung errichtet.


Freitag 21.06.2013

Los geht's!

 

Den Abend zuvor bin ich von Hamburg aus nach Kopenhagen geflogen, wo ich nun nervös am Frühstückstisch im Hotel "Airport Quality Dan" sitze und auf den Shuttlebus zum Flughafen warte.

Pünktlich 09:00 Uhr hebt der rote Air Greenland Airbus A330-200 Richtung Kangerlussuaq* ab und landet 4 Stunden und 40 Minuten später gegen 09:40 Uhr

(-4 Stunden MESZ) auf Grönlands einzigem internationalen Flughafen, der eigentlich eine US Militärbasis war und zum Teil auch noch ist.

Erwähnenswert an dieser Stelle ist der Flug über das Inlandeis bei dem man - bei guter Sicht - unzählig viele große und kleine türkisfarben leuchtende Schmelzwasserseen auf der Eisfläche bestaunen kann.

Die Sonne scheint in Kangerlussuaq und vor lauter Freude tanzen neben mir noch 24.748 Mücken wild durch die Luft.

Der Weiterflug nach Ilulissat ist erst für morgen geplant und da der Tag noch jung ist, geht es auf einen Ausflug in einem geländetauglichen Gefährt zum Inlandeis. Die Piste, die gleichzeitig Grönlands längste "Straße" darstellt, wurde einst von VW als Teststrecke gebaut und dient heute als außerordentlich effektive Wirbelsäulenstauchanlage.

Während der gut 2 1/2-stündigen Fahrt eröffnen sich immer wieder imposante Ausblicke auf die Gletscherkante des Inlandeises. Am Inlandeis angekommen unternehme ich in der bizarren und spannenden Eiswelt eine kurze Wanderung über die Eisfläche.

 

Für die kommenden Tage kündigen sich verstärkte Gletscheraktivitäten an, da der Vollmond am 23. Juni 2013 seinen erdnächsten Punkt für dieses Jahr erreicht. Laut Adam, dem Tourguide, hat dies nicht nur einen Einfluss auf Ebbe und Flut, sondern auch auf die Gletscheraktivität. Da dieses Ereignis relativ selten ist - die nächste Möglichkeit wird sich erst im August 2014 ergeben - ist extra ein Filmteam des National Geographic und dem NDR angereist, um mit einer „fliegenden Kamera“ am Russel-Gletscher zu filmen.

Nach der wiederum 2 1/2-stündigen, holperigen Rückfahrt steige ich um etwa 10 Zentimeter gestaucht aus dem Bus und freue mich über die nun zu langen Hosenbeine - kann ich ja noch reinwachsen.

 

Im Reiseführer ist zu lesen, dass sich in Kangerlussuaq und Umgebung gute Chancen bieten Moschusochsen über dem Weg zu laufen. Die Moschusochsen wurden hier in den 60er Jahren ausgewildert und sind mittlerweile auf eine Population von ca. 3.500 Tieren angewachsen. Leider behielt der Reiseführer an diesem Tag kein Recht und so konnte ich mir den Moschusochsen lediglich als Filet beim späteren Restaurantbesuch anschauen.

 

Am Abend geht es früh ins Bett des Hotels "Polar Lodge", das sich keine 3 Minuten Fußweg vom Flughafen entfernt befindet.

 

*Kangerlussuaq (Breitengrad: 67° 0' 43'' N) ist ein Ort in Westgrönland, der sich ungefähr auf der Höhe des nördlichen Polarkreises befindet. Der kleine Ort hat ca. 500 Einwohner.

 


Samstag 22.06.2013

Morgens um 05:00 Uhr bin ich bereits hellwach und vertreibe mir die Zeit bis zum Weiterflug mit einem Spaziergang durch den „Ort“ und da die Mücken hier genauso gesellig sind wie an jedem anderen Ort der Welt, bin ich in bester Gesellschaft – betreutes Wandern.

 

Nach einem kurzen Frühstück geht es mit einer 37-sitzigen Dash-8-200 der Air Greenland pünktlich um 08:25 Uhr von Kangerlussuaq nach Ilulissat. Der Anflug auf Ilulissat besticht mit einem atemberaubenden Blick auf die in der Disko-Bucht treibenden Eisberge, auf denen türkisfarbene Pools glitzern.

Bereits 40 Minuten nach dem Abheben landet die Dash nun sanft auf dem kleinen aber geschäftigen Flughafen der ca. 4.500 Einwohner zählenden und damit drittgrößten Stadt Grönlands. Die Sonne scheint auch hier kräftig, nur ist die Luft etwas kühler als in Kangerlussuaq.

Hotel Icefiord mit Blick auf die Disko-Bucht
Hotel Icefiord mit Blick auf die Disko-Bucht

Nach dem Einchecken im Hotel Icefiord, welches idyllisch direkt an der Disko-Bucht liegt und ausschließlich Zimmer mit herrlichem Blick auf die vorbeiziehenden Eisberge bietet, mache ich mich auf zu einer ersten Wanderung*. Auf dem Weg zum Startpunkt des angepeilten „gelben Wanderweges“ am städtischen Kraftwerk, komme ich an einer Vielzahl von Schlittenhunden vorbei. Die Schlittenhunde werden den Sommer über hier am Stadtrand geparkt und heulen in unregelmäßigen Abständen bis spät in die taghelle Sommernacht hinein. In verschiedenen Quellen reicht die Zahl der Schlittenhunde Ilulissats von 2.500 bis 6.000 – da ich aus Zeitgründen nicht nachzählen konnte, beziehe ich mich hier auf die Quelle, die die Zahl 6.000 nennt, da dies wesentlich spektakulärer klingt.

Die Wanderung auf dem „gelben Wanderweg“, die stetig auf und ab führt und dabei immer neue beeindruckende Ausblicke auf den Icefjord bereithält, ist an landschaftlichen Höhepunkten kaum zu übertreffen. Schnell ist daher klar, dass dieser Wanderweg in den kommenden Tagen mehrfach Ziel meiner Fototouren sein wird. Mit etwas Erstaunen stelle ich zudem fest, dass offensichtlich auch die Mücken diese Naturschönheit zu schätzen wissen und sich deshalb gemeinsam mit mir auf die Erkundung des Wanderweges machen – Proviant haben sie ja reichlich dabei.

Es ist windstill und angenehm warm bei ca. 17°C, so dass ich an einem besonders schönen Aussichtspunkt sitzen bleibe und in völliger Stille dem allgegenwärtigen Knacken und Grollen des berstenden Eises lausche.

 

Auf dem Rückweg, am alten Heliport vorbei, führt mich mein Weg direkt in den Ort, in dem ich bei einem Tourenanbieter für den Abend spontan eine Mitternachtsbootsfahrt ins Eis buche. Laut diversen Reiseberichten soll man in Grönland das schöne Wetter nutzen so lange es da ist.

Beim Verlassen des Büros des Tourenanbieters - es ist mittlerweile 16:00 Uhr - zeigt sich plötzlich eine graue Wand, die sich vom Landesinneren her in Richtung Meer schiebt. Eine Stunde später ist bereits der gesamte Himmel grau und nach einer weiteren Stunde regnet es. Sollte der daheim vorweg orakelte Wetterbericht etwa recht behalten?

Insgeheim hoffe ich nun, dass die Tour abgesagt wird.

Die Tour findet statt und so mache ich mich, in Regenkleidung verpackt, auf zum Büro des Tourenanbieters, von wo aus die Tour gegen 21:45 Uhr startet.

Die Fahrt ist auf einem dieser urigen, hübsch anzusehenden roten Fischkutter. Zwischenzeitlich hat der Regen etwas nachgelassen und die Kamera wird mit einem speziellen Regencape vor Feuchtigkeit geschützt. Von Zeit zu Zeit müssen verirrte Regentropfen von der Linse getrocknet werden und so lerne ich an diesem Abend, dass Tempotaschentücher mit Balsam Dank dem Schmiereffekt höchst ungeeignet für diesen Zweck sind.

Nach gut einer halben Stunde stoppt der Regen und die Eisberge schimmern in unterschiedlichsten Blautönen vor dem düsteren noch grauen Himmel und irgendwie bin ich dann doch froh, dass die Tour nicht abgesagt wurde.

Der Kutter zieht seine Bahnen im spiegelglatten Wasser zwischen den Eisriesen und nur das plötzliche Auftauchen eines Wals fehlt jetzt noch zu meinem Glück.

Irgendwo zwischen den Eisgiganten stoppt der kleine Kutter und zu Tee und Kaffee lerne ich, dass der Eisfjord ca. 900 Meter tief ist und an seinem Ausgang in die Bucht eine Moräne die Tiefe auf 300 Meter reduziert, was dazu führt, dass sich die Eisberge an dieser Stelle auf Monate hinweg aufstauen.

Es ist empfindlich kalt zwischen den Eisbergen und trotz 4 Schichten Oberbekleidung, 3 Schichten Hosen, Mütze und Handschuhe bin ich froh, dass die Tour gegen 00:30 Uhr zu Ende geht und ich mich aufwärmen kann – aufwärmen ginge natürlich auch während der Fahrt in der Kajüte des Kutters, aber da könnte ich ja etwas verpassen.

 

Einen Wal gab es leider nicht mehr zu sehen, aber ich tröste mich mit der Tatsache, dass auch meine Wanderfreunde, die Mücken, keine Gäste dieser Mitternachtstour waren und schlafe somit zufrieden nach diesem erlebnisreichen Tag ein.

 

*Zum Ilulissat Icefjord und entlang der Küste führen drei farblich markierte Wanderrouten (gelb 2.7 km, blau 6.9 km und rot 1 km), die atemberaubende Aussichten auf die aufgestauten Eisberge bieten.

 


Sonntag 23.06.2013

Viel früher als mir lieb ist bin ich an diesem Morgen bereits gegen 06:30 Uhr hellwach – ich kann nicht mehr schlafen denn am Vorhang meines Fensters drängeln sich die Sonnenstrahlen vorbei und ich habe mal wieder Sorge etwas zu verpassen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück nehme ich an einer geführten Wanderung zur ehemaligen größten Inuit-Siedlung Grönlands teil. Die Siedlung Sermermiut lag 2 Kilometer südlich von Ilulissat direkt am Eisfjord und hatte ca. 250 Einwohner.

Der geschwungene, holzbeplankte Weg zur Siedlung startet am alten Heliport und ist Teil des „blauen Wanderweges“. - Mücken -

Die kurze Wanderung bietet einen schönen Blick auf den Eisfjord und als Höhepunkt eine Erhebung mit Rastplatz, von der aus man eine beeindruckende Aussicht über den gesamten Fjord mit seinen gigantischen Eisbergen hat. Es ist windstill und nur das Knacken und Grollen der Eisberge ist zu vernehmen.

Auf der Wanderung komme ich an einem Warnhinweisschild vorbei, welches mit den Worten „Mianersoqqussut! Sissami pisunneq inuunermik ulorianartorsiortitsisinnaavoq iisaqusattarnera pissutaaluni“ eindrücklich auf die Gefahren durch plötzlich auftretende Tsunamis aufmerksam macht und davor warnt den Strand zu betreten. Nur wenige Tage zuvor, soll ein Eisabbruch am Eqi-Gletscher einen Tsunami ausgelöst haben, welcher in ca. 2 Kilometern Entfernung von der Abbruchkante, Baumaterial des Eqi-Camps von einem 10 Meter höher gelegenen Hang in den Fjord gerissen hat.

Der Rückweg führt wieder zurück zum alten Heliport und von dort aus gehe ich erneut den „gelben Wanderweg“, aber heute in umgekehrter Richtung mit dem Ziel städtisches Kraftwerk. Mücken.

 

Gegen 14:30 Uhr, am Hotel angekommen, gönne ich mir auf der Sonnenterasse des Hotels eine Cola, einen Kaffee und ein grönländisches Bier – nicht in dieser Reihenfolge sondern gleichzeitig. Da ich vermute, dass die eigenartige Getränkeauswahl ein Produkt des mangelnden Schlafes ist, beschließe ich ein 2-stündiges Nachmittagsschläfchen.

Ilulissat Icefjord Mündung in die Disko-Bucht
Ilulissat Icefjord Mündung in die Disko-Bucht

Etwas erholter, schlendere ich später durch den Ort und schaue den Einheimischen zu, wie sie kleine Feuer abbrennen, die eine ausgestopfte Puppe oben aufgesetzt haben.

Gegen 21:30 Uhr mache ich mich erneut auf den Weg zur „gelben Wanderung“. Ich möchte die Landschaft im warmen Licht der Mitternachtssonne fotografieren – die Stationen dafür habe ich mir bereits am Nachtmittag ausgeguckt. Jetzt um diese Zeit im warmen, goldgelben Licht wirkt die Landschaft umso beindruckender. Ich habe mein Stativ dabei, denn ich plane mit Hilfe von Neutraldichtefiltern Langzeitbelichtungen vom Eisfjord zu machen – die Idee ist die Bewegung des vorbetreibenden Eises im Kontrast zu den gigantischen aufgestauten Eisbergen „sichtbar“ zu machen.

Da es trotz später Stunde noch taghell ist nutze ich den Big Stopper von Lee (10 Blendenstufen ND-Filter) mit zusätzlichen Lee Grauverlaufsfiltern (0.3, 0.6 und 0.9 soft grad ND) um längere Belichtungszeiten zu erzielen. Und dann passiert es – ich wünsche mir sehnlichst Mücken herbei. Der Grund für das Fernbleiben der Mücken ist Wind - starker Wind - und so rüttelt der Wind an den überstehenden Filterscheiben vor dem Objektiv und sorgt für Vibrationen, die ihrerseits für reichlich Ausschuss sorgen. Am Ende mache ich bis zu 20 Aufnahmen pro Szene, um mindestens zwei scharfe Fotos zu erhalten.

Als ich auf die Uhr schaue, erschrecke ich mich über die vorangeschrittene Zeit denn es ist bereits kurz nach Mitternacht. Am Morgen steht um 07:00 Uhr eine Bootsfahrt zum Eqi Gletscher an und so mache ich mich auf den Rückweg. Die Sonne steht noch hoch über dem Horizont und denkt gar nicht daran ins eisige Meer abzutauchen. Das Licht ist perfekt zum Fotografieren um diese Zeit und so lasse ich mich zu weiteren Fotostopps hinreißen. Auf den letzten Metern vor dem Hotel posiert ein Schlittenhund im Gegenlicht der Mitternachtssonne und ich schmeiße mich auf den Asphalt um das letzte Foto des Tages zu schießen.

 

Gegen 00:30 Uhr endlich im Hotel angekommen, verrät ein Blick in den Spiegel das Lichtschutzfaktor 30 nicht ausreicht – gute Nacht Winnetou.

 


Montag 24.06.2013

Es ist 06:00 Uhr und der Wecker hämmert erbarmungslos gegen mein Trommelfell – ich schwanke benommen, mit blutunterlaufenen Augen ins Bad und föhne meine Zähne (ich mag an dieser Stelle vielleicht einen Hauch übertreiben, muss aber zu meiner Verteidigung sagen, dass Schlafentzug auch als eine Foltermethode bekannt ist, die unter anderem Halluzinationen auslöst).

Keine Stunde später stehe ich an Deck eines Bootes und klammere mich, gegen die Sonne blinzelnd, an einem Becher Kaffee. Der frische Fahrtwind und die Angst irgendetwas zu verpassen - heute sehe ich ganz bestimmt einen Wal - halten mich wach. Die Fahrt zum ca. 80 Kilometer entfernt gelegenen Eqi-Gletscher dauert 4 ½ Stunden und führt in Sichtweite zur Küste an Eisbergen, weit verstreuten Fischersiedlungen und einem Wasserfall vorbei. Der letzte Teil der Strecke kurz vor dem Gletscher führt durch ein dichtes Eisfeld – von nun an ist die Fahrt von spontanen Kurvenmanövern und dem Krachen der Miniatureisberge an den Bug der Miniaturtitanic geprägt. Ich werde zwar nicht Seekrank habe aber ein mulmiges Gefühl im Bauch, welches sich durch das brachiale rammen von VW Bulli großen Eisbergen kontinuierlich verstärkt.

Eqi-Gletscher
Eqi-Gletscher

In unmittelbarer Nähe zum ca. 4 Kilometer langem und bis zu 100 Meter hohem Gletscher stoppt der Käpt’n die Maschinen und ich kann dem gewittergleichem Donnern und Grollen lauschen, welches durch Eisabbrüche und die Entstehung von Rissen im Eispanzer ausgelöst wird – beeindruckend und beängstigend zugleich diese Geräuschkulisse. Einige der Eisabbrüche, die sich im Minutentakt vom Gletscher lösen, bringen das kleine Boot beträchtlich zum Schwanken. Nach ungefähr 2 Stunden und einem Mittagessen an Bord wird die Rückfahrt angetreten und die Ausschau nach einem Wal fortgesetzt.

 

Um 18:30 Uhr betrete ich wieder Festland in Ilulissat – mein Schlafrhythmus ist mittlerweile endgültig aus dem Takt geraten und nachdem meine Halluzinationen durch die andauernde Müdigkeit nicht einmal einen Wal hervorbringen konnten, liege ich 19:00 Uhr erschöpft im Bett.

Wanderweg nach Sermermiut
Wanderweg nach Sermermiut

Es ist 22:30 Uhr und ich befinde mich auf dem Weg zur Inuit Siedlung Sermermiut, um heute von dort aus den Eisfjord in der Mitternachtssonne zu fotografieren. Die am Vortag sehnlichst herbeigewünschten Mücken sind zwischenzeitlich eingetroffen und begleiten mich bei meiner Wanderung. Diese Nacht streife ich viel umher – ich gehe den „roten Wanderweg“ zu Holms Bakke wo jedes Jahr am 13. Januar 13 Minuten vor 13:00 Uhr die Sonne erstmalig nach Wochen voller Dunkelheit für wenige Augenblicke am Horizont erscheint. An diesen Tag wandern die Bewohner Ilulissats Jahr für Jahr hierher, um die Sonne zu begrüßen und zu feiern.

Auch von hier hat man eine schöne Aussicht auf den Eisfjord und die Eisberge, die im Licht der Mitternachtssonne wunderbar leuchten.

Auf dem Rückweg gehe ich durch den Ort und bin überrascht vom regen Treiben – es ist 01:45 Uhr und mehrere Jugendliche spielen Fußball auf einem staubig, steinigen Fußballplatz*, Familien und Teenager gehen spazieren, coole Pubertierende cruisen mit ihren Autos durch die Gegend und irgendwie bin ich froh, dass ich nicht der einzige bin, den die Mitternachtssonne umhertreibt.

Als ich gegen 03:30 Uhr zurück im Hotel bin, zeigt ein Blick im Spiegel, dass sich der Rand meiner Mütze als Mückenstichlinie an meiner Stirn abzeichnet – gute Nacht Frankenstein.

 



*Bereits seit vielen Jahren möchte Grönland Mitglied der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und des Weltfußball-Verbandes (FIFA) werden, scheiterte bisher jedoch daran, dass es im ganzen Land kein einziges Fußballstadion mit Rasenplatz gibt. Eine spätere Neuregelung der Sportverbände legte fest, dass internationale Wettbewerbsspiele seit 2006 auch auf Kunstrasen ausgetragen werden dürfen – Grönland verfügt seit September 2010 über einen solchen Platz, scheitert nun aber an der neuen Anforderung, dass die Voraussetzung für die Aufnahme an die Anerkennung als souveräner Staat durch die UNO geknüpft ist.


Dienstag 25.06.2013

Ich beneide die Sonne, die offensichtlich keine Probleme mit dem Schlafmangel hat und auch an diesem Morgen kräftig durch das Fenster in den Frühstücksraum des Hotels scheint und meine müden Augen blinzeln lässt. Ich bin etwas entspannter geworden, da die letzten Tage bereits viele einmalige Eindrücke boten und eigentlich auch gar nicht mehr viel kommen kann - ausgenommen einem Walpärchen, welches auf seinen Schwanzflossen Walzer durch die Disko-Bucht tanzt. Mich wundert überhaupt der Ursprung des Namens „Disko-Bucht“ und somit finde ich den Gedanken gar nicht mal so abwegig.

 

Nachdem ich den größten Teil des Vormittags mit Kamerapflege und Fotosicherung verbracht habe, geht es gegen 13:00 Uhr auf einen entspannten Spaziergang in den Ort mit dem Ziel Büro des Tourenanbieters. Vielleicht sollte ich heute erneut eine Mitternachtstour mit dem Boot in Eis wagen – natürlich würde ich dieses Mal gerne auf den Regen verzichten.

Als ich durch die Straßen schlendere und meinen Blick zur Disko-Bucht richte, bemerke ich eine gigantische Nebelwand, die sich langsam in die Bucht wälzt und nach und nach die Eisberge umhüllt. Nur noch die Spitzen der höchsten Eisberge ragen aus der Nebelwand empor. Schnell erklimme ich einen der Aussichtsfelsen im Ort und bestaune dieses beeindruckende Schauspiel. Ich bin fasziniert von diesem Anblick aber gerate gleichzeitig ins Schwanken was meine Pläne für die Buchung der mitternächtlichen Bootstour angeht – wird es wieder aufklaren oder wird der Nebel alles, einschließlich den Ort einhüllen und tagelang die Sicht versperren, so wie ich es bereits von meinem täglichen Blick auf die Webcam kenne?

 

Was soll‘s ein wenig Risiko gibt dem Leben erst die rechte Würze und auch wenn ich heute bereits beim Frühstück das Risiko herausforderte, indem ich mein Brötchen mit Wurst anstelle von Käse belegt hatte, buche ich die Bootstour. Da noch reichlich Zeit bis zur Tour verbleibt, entschließe ich mich noch etwas nach- bzw. vorzuschlafen – so richtig bin ich mir da nicht mehr sicher, auf jeden Fall bin ich müde.

Ich reiße hektisch den Vorhang auf und bin erleichtert, da sich der Nebel zwischenzeitlich gänzlich verzogen hat. Als ich auf dem Boot stehe, welches beinahe lautlos durch das spiegelglatte Wasser gleitet, kann ich kaum glauben, dass dies die gleiche Szenerie sein soll, die ich am Samstag durchfahren bin. Im Licht der tiefstehenden Sonne wirkt die Eiswelt wesentlich unbedrohlicher und durch das Schattenspiel weitläufiger und tiefer als bei wolkenverhangenem Himmel. Auch diese Nacht muss der Auslöser meiner Kamera Sonderschichten schieben und kann lediglich verschnaufen wenn ich meine Hand kurz zum Aufwärmen um einen heißen Becher mit Tee klammere. Am Ende der Tour bin ich froh, dass sich diese Nacht kein Wal zeigte, da dies vermutlich zu einem Brand am Auslöser geführt hätte.

Blick auf die Disco-Bucht vom Hotel Arctic
Blick auf die Disco-Bucht vom Hotel Arctic

Nachdem ich gegen 00:30 Uhr wieder festen Boden unter den Füßen habe, geht es nicht direkt zurück ins Hotel, sondern auf Erkundungswanderung durch mir noch unbekannte Teile des Ortes – das herrlich warme Licht der Mitternachtssonne muss ausgenutzt werden. Ich wandere bis zum Friedhof, der kurz hinter dem Ort Richtung Flughafen direkt an der Straße liegt und erklimme dort einen Felsen von dem aus ich eine gute Sicht in alle Richtungen habe. Auf dem Rückweg in den Ort stoppe ich am Hotel "Arctic" von wo aus ich eine Aufnahme von der Bucht machen will – die kleinen Iglu-Unterkünfte des Hotels bieten dabei eine interessante Kulisse.

 

Der neu entdeckte Aussichtshügel im Ort, von dem aus ich die Nebelwand bewunderte, soll mein nächstes Ziel werden. Der Blick auf die Bucht mit den vielen bunten Häuschen im Vordergrund ist um diese Zeit noch schöner als
am Tage.

 

Auf den letzten Metern zum Hotel fällt mir auf, dass offenbar ein Schichtwechsel in der Bucht stattgefunden hat – neue gigantische Eisberge haben sich in die Bucht gedrängt und die Szenerie gänzlich verändert. Ein besonders imposanter Gigant, der wie eine zu Eis erstarrte Pyramide aussieht, thront majestätisch direkt vor dem Hotel.

Wie ich an den inzwischen zwölf Mückenstichen an meiner rechten Hand (Kamerahand) erkennen kann, ist der Versuch, die Mücken einfach zu ignorieren, gescheitert. 

Mittlerweile ist es 02:30 Uhr und Zeit für das Bett – naja vielleicht noch ein letzter Blick auf die Eispyramide aus dem Hotelzimmerfenster und vielleicht noch ein letztes Foto, eine Langzeitbelichtung, 170 Sekunden um die Dynamik einzufangen. Geschafft, Zeit fürs Bett - erstaunlich wie viele Mücken in 170 Sekunden den Weg in mein Zimmer gefunden haben.

 


Mittwoch 26.06.2013

Ich habe keine Eile und so sitze ich wie jeden Morgen im Frühstücksraum nur mit dem Unterschied, dass ich den Bissen vom Brötchen kaue bevor ich ihn herunterschlinge. Der Grund für meine Entspanntheit sind die Erlebnisse der vergangenen Tage und das bereits feststehende Tagesprogramm. Und da das Tagesprogramm eigentlich erst am Abend startet, kaue ich so vor mich hin und genieße den Blick durch das Fenster auf die Eisberge, die grell im Sonnenlicht leuchten. Wenig später – um genau zu sein am frühen Nachmittag – trotte ich gelassen und ohne wirkliches Ziel durch den Ort.

Gegen 19:00 Uhr bin ich zum Essen verabredet - grönländisches Spezialitäten-Buffet. Vermutlich aus Vorfreude stehe ich bereits 18:00 Uhr vor dem noch verschlossenen Restaurant. Der Wirt hat Mitleid und gibt mir ein Bier, welches ich mir mit ein paar hundert Mücken auf der Terrasse teile. Das Buffet ist eine interessante Erfahrung und liegt mir für den Rest des Abends schwer im Magen. Vom Restaurant aus geht es direkt über zum zweiten Punkt des Tagesprogrammes – ich bin auf dem Weg zum altbekannten Startpunkt der Mitternachtstour ins Eis. Ich bin gespannt was mich heute erwartet – ob mich die Tour auch beim dritten Mal noch ins Staunen versetzt? Und genauso kommt es. Auch heute erstrahlen die Eisriesen wieder in einem ganz anderen Licht als bei den Touren zuvor und wieder fühle ich mich in eine fremde Welt versetzt. Feine Schleierwolken schmücken den Himmel wie Lametta, das leicht gewellt von einem Weihnachtsbaum herunterbaumelt. Ich freue mich über die Wolken, da sie der Szenerie eine räumliche Tiefe geben, was sich gut auf die Fotos auswirken sollte.

Wie auch bei den vorherigen Mitternachtsfahrten bahnt sich das Boot seinen Weg zwischen den Eisriesen hindurch, die rechts und links steil hinaufragen. Eine Szene, die an die Erkundung eines noch unerforschten Canyons erinnert.

 

In einem Artikel las ich bereits vor geraumer Zeit, dass sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihres Ilulissat Aufenthalts im August 2007 bei einer Bootstour ins Eis ein Bild von den Folgen der Erderwärmung machte. Ich stelle es mir schwer vor angesichts dieser Pracht und mangels eines Vergleiches zu früheren Zeiten bei einer Bootstour die Folgen der Erderwärmung zu erfassen. Was einem aber dennoch unweigerlich klar wird, ist die Notwendigkeit derart sensible Ökosysteme zu schützen.

 

Der erfolgreiche dänisch-deutsch-schwedische Thriller „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ von Bille August aus dem Jahr 1997 wurde übrigens auch zum Teil in Ilulissat gedreht.

 

Pünktlich um 00:30 Uhr endet auch diese, für mich nun definitiv letzte, Mitternachtstour und diese Nacht geht es auch ohne Umwege direkt ins Bett.

 


Donnerstag 27.06.2013

Das musste ja so kommen, ich verschlafe das Frühstück - um knapp 3 Stunden. Kurzerhand wird das Frühstück gegen eine wagenradgroße Pizza eingetauscht, die ich am frühen Nachmittag in einem kleinen Restaurant am Stück verschlinge. Bisher habe ich zwar noch keinen Wal gesehen, fühle mich aber nach der tischtennisplattengroßen Pizza wie ein Wal - ein Pottwal.

Ein letztes Highlight meines einwöchigen Fotoausflugs nach Grönland steht für den Nachmittag an - eine Bootsfahrt nach Oqaatsut, eine nördlich gelegene kleine Siedlung mit 48 Einwohnern, zahlreichen Schlittenhunden und noch mehr Mücken.

Der alte Name der Siedlung „Rodebay“ (rote Bucht) soll von holländischen Walfängern stammen, da die Bucht nach dem Fangen und Zerlegen der Wale vom Blut rot gefärbt war. Der freundlichere grönländische Name „Oqaatsut“ (die Kormorane) soll sich auf eine steile Felswand an der Hafeneinfahrt beziehen, an der sich in vergangenen Zeiten eine große Kormoran-Kolonie aufhielt.

Trockenfischgestell in Oqaatsut
Trockenfischgestell in Oqaatsut

Die Einwohner Oqaatsuts leben hauptsächlich von der Jagd und dem Fischfang. Sehr populär ist der aus Heilbutt und Dorsch hergestellte Trockenfisch, der im ganzen Ort auf großen Holzgestellen in der arktischen Luft zum Trocknen hängt.

Ebenfalls im Ort befindlich ist das kleine urige Restaurant „H8“, welches von den beiden Thüringern Uta und Ingo Wolff geführt wird. Das hervorragende Essen, welches eine Kombination aus einheimischen Zutaten und der thüringischen Küche ist, muss hier erwähnt werden - zum Essen gibt es abgetauten Eisberg und dänisches Bier.

Der Ort könnte kaum idyllischer sein und so lasse ich mich zu der Aussage hinreißen hier auch für eine bestimmte Zeit leben zu wollen. Wenn ich so darüber nachdenke mag auch der Bierkonsum einen Einfluss auf diese gewagte Aussage gehabt haben.

 

Nach dem Essen stromere ich noch etwas durch den straßen- und autofreien Ort und erfreue mich an den bunten kleinen Häuschen, die ungeordnet auf den vielen kleinen Hügeln verteilt stehen. Die Sonne gibt auch an diesem Nachmittag noch mal alles und so kommt der Auslöser meiner Kamera kaum zum Verschnaufen.

 

Ich traue es mich an dieser Stelle fast nicht zu erwähnen, aber wenn ich bisher von Mücken sprach ist das kein Vergleich dazu, was Oqaatsut zu bieten hat – von Weitem erkennt man einen Schwarm Mücken bereits eher als die Person, die dieser Schwarm umschwirrt.

Nach gut zwei Stunden Aufenthalt geht es mit dem Boot zurück nach Ilulissat - alternativ kann man die ca. 20 Kilometer lange Strecke auch in einer gut 8-stündigen Wanderung zurücklegen.

Auf der Rückfahrt nach Ilulissat zieht sich der Himmel langsam zu und die noch darunter hervorscheinende Sonne leuchtet die Eisberge spektakulär vor dem dunklen Himmel an. Gegen 21:30 Uhr in Ilulissat angekommen, hat sich der Himmel inzwischen vollständig zugezogen und so geht es direkt zurück ins Hotel, in dem meine letzte Nacht anbricht.

 

Einen Wal habe ich nicht mehr gesehen aber dafür unendlich viele andere Eindrücke gesammelt, die in den nächsten Tagen und Wochen auch bei der Sichtung der gut 2.500 Aufnahmen verarbeitet werden wollen. Zugegeben der Wetterbericht hat mich vor Reiseantritt etwas nervös gemacht aber mit so gutem Wetter hätte ich selbst in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet – und so bin ich sogar dankbar über das Erlebnis der Mitternachtstour bei Regen, bei dem sich die Eisberge in ganz besonderen Farben vor dem grauen Himmel abhoben.

Eine echte Bereicherung waren Ingrid, Doris und Martin, die ich auf dieser Reise kennenlernen durfte und mit denen ich einige der Erlebnisse teilen konnte. Und während ich über all die Erlebnisse der vergangenen Tage nachdenke – schlafe ich ein..

 


Freitag 28.06.2013

Es ist 05:00 Uhr und der Wecker hämmert erbarmungslos gegen mein Trommelfell – ich schwanke benommen mit blutunterlaufenen Augen ins Bad. Um 05:30 Uhr sitze ich im Shuttlebus zum Flughafen – es regnet.

 


Meine Wanderfreunde - die Mücken:

Das Thema Mücken mag vielleicht ein wenig überspitzt dargestellt worden sein und sollte niemanden abschrecken eine Grönland-Reise zu planen. Man muss sich auf Mücken einstellen, wird ihnen aber nicht überall begegnen und als gute Abwehrmaßnahme eignen sich Mückensprays auch wenn dies in einigen Quellen anders dargestellt wird. In den meisten Ortsteilen Ilulissats, auf dem Eismeer und an windigen Tagen wird man keinen, oder nur selten, Mücken begegnen. Auf Wanderungen können sie an windstillen Tagen ein ständiger und sehr lästiger Begleiter sein – was sie aber nicht können, ist einem das Erlebnis dieser Naturschönheit zu vermiesen.

 


Reiseplanung für eine Grönland-Sommerreise:

Reisezeit – wer seinen Fokus auf die Fotografie legt, mag als Reisezeit Mitte Juli bis Anfang September in Betracht ziehen, da sich in diesem Zeitraum die Vegetation in voller Pracht zeigt (Wollgraswiesen etc.), die Chance Wale zu sehen größer ist und die schon wieder etwas tieferstehende Mitternachtssonne für eine farbintensivere Lichtstimmung sorgt als im Juni.

 

Eine Grönland-Reise kann relativ problemlos und einfach selber organisiert werden. Der Flug nach Grönland kann zum Beispiel über Air Greenland von Kopenhagen aus nach Kangerlussuaq gebucht werden. Die Anreise nach Kopenhagen kann über einen Zubringerflug (z.B. Airline SAS) von vielen deutschen Flughäfen aus erfolgen. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass eine Übernachtung in Kopenhagen bei An- und Abreise erforderlich ist, da es für die Air Greenland Verbindung derzeit keine direkten Anschlussflüge von und nach Deutschland gibt (Stand: Juni 2013).

 

Für die Übernachtung in Kopenhagen empfiehlt sich z.B. das Hotel "Airport Quality Dan", welches einen halbstündlichen Shuttleservice vom und zum Flughafen bietet (keine 5 Minuten Fahrtzeit vom Flughafen entfernt).

 

Ilulissat hat eine gute Hotel-Auswahl in verschiedenen Preisklassen – die bekanntesten unter ihnen sind zum Beispiel Hotel Arctic, Hotel Icefiord und Hotel Hvide Falk.

 

Touren, wie die Mitternachtstour ins Eis, können bequem jederzeit vor Ort gebucht werden – Tourenanbieter sind zum Beispiel World of Greenland oder Tourist Nature – am besten einen Tag vorher oder frühmorgens am gleichen Tag buchen (das Angebot und die Preise bei den unterschiedlichen Tourenanbietern unterscheiden sich kaum).

 


Welche ist die richtige Kleidung für Reisen in den Sommermonaten:

Der Dress Code in Hotels ist eher auf Wander- und Abenteuertouristen eingestellt als auf Ballkleid und Co.

 

An sonnigen und windstillen Tagen sind Temperaturen bis zu 20°C nicht ungewöhnlich. Bei bedecktem Himmel, Regen und Wind können die Temperaturen auch ungemütliche 10°C und weniger betragen. Auf dem Eismeer ist es generell kalt und entsprechende Kleidung (mehrschichtig) sollte berücksichtigt werden.

 

Mein Reisekoffer war wie folgt bestückt:

  • 1 Paar Wanderschuhe (Wanderschuhe sind nicht nur für die steinigen Wanderwege erforderlich sondern bieten auch auf den Bootsfahrten ins Eis eine wärmende Grundlage)
  • 1 Paar leichte Schuhe (viele Orte sind geprägt durch teilweise steil ansteigende und abfallende Straßen sowie teils unbefestigte Straßen und Gehwege – bequemes, praktisches Schuhwerk ist von Vorteil)
  • Mütze (speziell bei Fahrten auf das Eismeer oder an windigen Tagen auf Wanderungen)
  • Handschuhe
  • Schal (nicht zwingend erforderlich bei hochschließendem Fleece oder hochschließender Jacke)
  • Mehrere Lagen Kleidung (z.B. Funktionsunterwäsche, leichtes Fleece, Softshell-Jacke, lange Unterhose)
  • Regenkleidung (Regenjacke, Regenhose)
  • T-Shirts (auch für sehr warme Tage sollte der Reisekoffer einige Alternativen bieten)
  • Sonnenbrille

Dieser Reisebericht soll in erster Linie unterhalten und hat daher nicht den Anspruch einen Reiseführer zu ersetzen. Ich freue mich darüber, wenn ich mit dem Bericht Anregungen für eine Reiseroute und besonders sehenswerte Ziele geben kann oder wenn der Bericht einfach nur für einen Moment zur Unterhaltung beigetragen hat. Der Fokus bei den Reisezielen liegt bei mir auf der Fotografie und weniger auf kulturelle oder historische Sehenswürdigkeiten und mag daher eher Fotografen ansprechen.

Kommentare: 15
  • #15

    Olly (Freitag, 04 November 2016 10:57)

    @Heidi

    Vielen Dank für dein Feedback zum Reisebericht!
    Ich empfand sieben Tage als ausreichend und befürchte, dass ich mich bei einer längeren Dauer "gelangweilt" hätte. Das ist aber wirklich sehr subjektiv.
    Würde ich nochmals nach Grönland reisen, was ich wirklich gerne machen würde, wäre es nicht so unglaublich teuer, dann würde ich eher Ende Juli reisen.
    Die Walsaison startet erst ab dem Juli und dann hat man wirklich sehr gute Chancen Wale zu sehen. Ende Juli ist die Vegetation auch viel weiter und intensiver als im Juni. Das sollte deutlich imposanter sein, wie ich auf Aufnahmen befreundeter Fotografen gesehen habe. Es ist zwar ein Erlebnis die Mittsommer-Sonne um den 20. Juni herum zu erleben aber das Licht ist Ende Juli viel Abwechslungsreicher und intensiver. Ich befürchte Mücken werdet ihr in jedem Fall antreffen.

    Ich denke allerdings, dass Grönland ein echtes Erlebnis und Abenteuer sein wird, egal welchen Zeitraum ihr wählt.

    Viele Grüße,
    Olly

  • #14

    Heidi (Freitag, 28 Oktober 2016 22:49)

    Klasse Bericht mit wirklich tollen Fotos! Habe seit einiger Zeit beides wiederholt gelesen/betrachtet, da wir uns immer noch nicht sicher sind, ob wir nächstes Jahr einmal Urlaub in Grönland (Ilulissat) machen sollen. Die Reisekosten sind schon ziemlich hoch und wir sind noch im Zweifel, ob 13 Tage in Ilulissat trotz verschiedener Ausflugsmöglichkeiten nicht zu lang wären. Auf der anderen Seite werden wir dort wohl nicht so schnell wieder hinkommen. Wäre deiner Ansicht nach Anfang/Mitte Juni (in der vagen Hoffnung auf weniger Mücken) zu früh?

  • #13

    Corneliu (Dienstag, 23 August 2016 22:35)

    Vielen Dank für die Beschreibung und die Bilder! Wirklich ausgezeichnet! Ich reise Ende September nach Ilulissat und hatte Angst, dass man dort langweilig sein könnte, wenn ich mehr als 3-4 verbringen würde. Ich bin durch deine Bilder ermutigt ...

  • #12

    Olly (Sonntag, 21 Februar 2016 09:58)

    @Arthur
    Vielen Dank für Dein Kommentar Athur! Viel Spaß auf Deiner Grönland-Sommerreise!

    Viele Grüße,
    Olly

  • #11

    Arthur Schweizer (Freitag, 19 Februar 2016 17:00)

    Toller Bericht und noch tollere Fotos. Gratuliere, sehr gut gemacht. Bin jetzt im Juli 2016 zum dritten Mal und wahrscheinlich auch zum letzten Mal in Ilulissat.

  • #10

    Olly (Donnerstag, 07 Januar 2016 19:57)

    @Ute
    Hallo Ute, klasse! Ich drücke Euch die Daumen für eine erlebnisreiche und unvergessliche Reise! Kontaktiere mich doch bitte über das Kontaktformular unter dem Link "Kontakt" - ich lasse Dir dann gerne ein paar Tipps zur Kamera per E-Mail zukommen.

    Viele Grüße,
    Olly

  • #9

    Ute (Mittwoch, 06 Januar 2016 20:55)

    Danke Olly für den Video-link..das ist ja wirklich beeindruckend. Obwohl ich auf etwas besseres Wetter hoffe! Die Flüge sind gebucht, Unterkunft auch: 6 Tage Ilulissat, 3 Tage Disco-Island mit Hundeschlittentour (das geht wirklich NUR da im Sommer).
    Freude...trotz Mücken...
    Deinen Bericht und die Fotos werde ich nun bis Ende Juni immer wieder studieren... das Bild, auf dem die 2 Leute vor den Eisfjord sitzen, gefällt mir seeeehr gut. Da möchte ich auch sitzen. ich hoffe, ich finde meinen Weg und hoffe auch, dass meine Jungens Lust haben, mit mir zu wandern. Vielleicht nehm ich ein paar Knollen Knoblauch mit...soll ja helfen bei Mücken??? wer weiß. Ist es denn so schlimm, dass man auch so einen Mückennetz für den Kppf braucht (in Ilulissat?)?

    Vielen Dank für den schönen Bericht, ich werde noch öfter zurückkommen. Du scheinst Dich ja mit Fotografie auszukennen. ich möchte mir auch eine neue (Mittelklasse, eher nicht sooo teuer (max 400 €)) Kamera kaufen-Spiegelreflex, hast du da einen Tipp?

    Viele Grüße ute

  • #8

    Olly (Sonntag, 03 Januar 2016 08:40)

    Vielen Dank für deinen netten Kommentar Anja! Ich habe mich sehr über das Kompliment gefreut!
    Viele Grüße, Olly

  • #7

    Anja (Sonntag, 03 Januar 2016 00:05)

    Olly, danke auch für diesen Reisebericht. Island steht an, aber Grönland wird folgen, das ist sicher. Ich mag deinen Schreibstil, und deine Bilder habe ich nicht ohne "Pipi in den Augen" betrachten können - sie sind wunderschön. Von mir bekommst du für diesen Bericht 10 von 6 möglichen Mücken ;-)

  • #6

    Olly (Mittwoch, 23 Dezember 2015 17:36)

    @Ute
    Hallo Ute, ich habe mich aufgrund eindringlicher Warnungen der Einheimischen und einiger beeindruckender Youtube-Videos tatsächlich nicht an den Strand getraut :) es gibt allerdings in Sermermiut auch nur eine einzige Stelle an der man sich auf Meereslevel begeben kann.

    Viele Grüß!

    PS: Das Video ist trotz geringer Qualität sehr beeindruckend https://www.youtube.com/watch?v=zlqY9fcYNX4

  • #5

    Ute (Mittwoch, 23 Dezember 2015 16:03)

    Hallo Olly, ja, ein gutes Argument für den Equi Gletscher. In meinem Reiseführer steht, dass man auf der Diskoinsel aufs Eis (?) hochwandern kann und dann oben Schlittenhundetouren machen kann. DAS wäre es. Vielen Dank für die Antwort. Wenn ich das richtig gelesen habe, kostet eine Nacht (2 Pers.) am Eqigletscher ca 300 € ohne Essen!
    Warst Du trotz Tsunamiwarnung am Strand? Gibt es da Sand oder Steine?
    Vielen Dank erst einmal!
    ute

  • #4

    Olly (Montag, 21 Dezember 2015 09:29)

    @Ute
    Hallo Ute, während der Sommermonate kann man in Illulissat und Umgebung leider keine Schlittenhundtouren machen, da es dann zu warm ist und kein Schnee mehr liegt.
    Ich wusste damals nicht, dass man am Eqi-Gletscher übernachten kann - hätte ich es gewusst, dann hätte ich sicherlich auch trotz der hohen Preise eine Nacht dort verbracht. Eine Grönlandreise ist alles in allem schon sehr teuer und man wird sie so schnell vermutlich nicht wieder machen - vielleicht ist das ein Argument für eine Übernachtung am Eqi-Gletscher :)
    Ich wünsche Euch sehr viel Spaß in Grönland und würde mich über ein Erfahrungsbericht freuen!

  • #3

    Olly (Montag, 21 Dezember 2015 09:24)

    @Jens
    Vielen Dank für Deinen netten Kommentar :)

  • #2

    Ute (Sonntag, 20 Dezember 2015 21:07)

    Hallo, ein ganz toller Reisebericht...ich musste so lachen wg der Mücken. Im Juni (Ende Juni 2016) werde ich mit meinen beiden Kindern (6 und 10) für eine Woche dorthin reisen... ich freue mich schon, obwohl ich Mücken GAR NICHT mag! Eigentlich wollte ich auch zur Discoinsel, um eine Schlittenhundetour zu machen...oder kann man das auch von Illulissat?
    Vielen Dank, der Bericht hat mich sehr erfreut!

    Am EqiGletscher wollten wir evtl (nur wenn wir nicht zur Discoinsel fahren) auch nächtigen...aber die Preise halten mich etwas ab... was würdest du machen?

    Ute

  • #1

    Jens (Samstag, 12 Dezember 2015 23:27)

    Das macht neugierig auf Grönland... Danke für den schönen Bericht und die schönen Bilder! Die Reiseberichte sind alle sehr schön und kurzweilig geschrieben!