Zwölf aus Zweitausendneunzehn

Zugegeben, es ist schon etwas abgedroschen sich auf Ansel Adams Zitat "Zwölf gute Fotos im Jahr sind eine gute Ausbeute" zu beziehen. Nun muss ich zugeben, dass es zum einen schwer war überhaupt zwölf repräsentative Fotos auszuwählen und dann sind einige von ihnen auch noch makelhaft (siehe Nummer SIEBEN und ZEHN). Ich mag die Fotos aus unterschiedlichen Gründen trotzdem, aber vielleicht wären sie eben erst richtig gute Fotos, wenn es die Makel nicht gäbe. Die Entstehungsgeschichten und Hintergrundinformationen zu den Fotos verraten warum ich gerade diese Fotos, trotz der teilweise vorhandenen Makel, ausgewählt habe.


Nummer EINS

 

Das Foto entstand am 20. Januar - einem Sonntag - auf dem stark verschneiten Brocken. Ein Tagesausflug mit Wanderung von Schierke durch das Eckerloch auf den Berggipfel. Es waren ideale Bedingungen mit Sonnenschein bei klirrenden -12°C und dazu beinahe windstill. Das lockte auch abertausende Wanderer an, so dass sich das Brockenplateu zur Mittagszeit stark füllte. Glücklicherweise waren die Fotos bis dahin im Sack und aufgefädelt, wie an einer Perlenschnur, ging es mit vielen anderen Wanderern durch das Eckerloch wieder zu Tal.

 

An diesem Tag entstanden eine Handvoll außergewöhnlicher Fotos - dass die Fotos außergewöhnlich sind liegt eher an den vorherrschenden, idealen Bedingungen, als am fotografischen Können. Die einzige Schwierigkeit bestand drin, die vielen Fußspuren und dazugehörigen Wanderer auszublenden, um eine Illusion der Idylle im finnischen Hinterland zu erschaffen.

 

TIPP:

Den Sonnenstern erzielt man, indem die Blende geschlossen wird (z.B. f/22) - also das Licht durch eine kleine Blendenöffnung durch das Objektiv auf den Sensor fällt. Das Licht bricht sich an den Überlappungen der Blendenlamellen und erzeugt so den Lichtsterneffekt. Die Anzahl der Sternenstrahlen hängt von der Anzahl der Lamellen ab. Bei einer geraden Anzahl Lamellen treten exakt gleich viele Strahlen auf - bei einer ungeraden Anzahl Lamellen verdoppelt sich die Anzahl der Strahlen.

 

Der gleiche Effekt kann bei Nachtaufnahmen ab ca. einer halb geschlossenen Blende (z.B. F/8) bei punktuellen Lichtquellen (z.B. Straßenlampen) erzielt werden. Ein vollständiges Schließen der Blende ist bei Nachtaufnahmen also nicht nötig und hat gleichzeitig den Vorteil, dass es nicht zu einer ungewollten, leichten Beugungsunschärfe kommt, wie sie bei einer geschlossenen Blende auftritt. Mich stört die leichte Beugungsunschärfe nicht, da sie aus meiner Sicht eher weniger ins Gewicht fällt aber ich setze eine geschlossene Blende trotzdem nur für die Erzeugung eines Sonnensterns ein. Bei offener Blende (z.B. F 2.8) tritt der Lichtsterneffekt nicht ein, da es keine "scharfen Ecken" an den Überlappungen der Blendenlamellen gibt, an denen sich das Licht brechen kann - d.h. die große Öffnung der Belde ist dann annähernd kreisrund.


Nummer ZWEI

 

Dänemark, Blåvand im April 2019. Beinahe eine Woche lang keine Wolke am Himmel - denkbar ungünstige Bedingungen für die Landschaftsfotografie. Dennoch kam es allabendlich zu farbenfrohen Purpurlichtern, die die Landschaft kurz nach Sonnenuntergang in kitschige Bonbonfarben tauchten. Purpurlichter entstehen durch die Streuung des Sonnenlichts an kleinsten Staubpartikeln. Das vermehrte Auftreten der Staubpartikel kann zum Beispiel durch Vulkanausbrüche oder größere Waldbrände hervorgerufen werden - hin und wieder kommt es in Deutschland zu Purpurlichtern durch Saharastaub. Was der Grund für die spektakulären Farbspiele in Dänemark war?

 

Für die Aufnahme kam ein Grauverlaufsfilter von Nisi mit einer Stärke von 1.2 (4 Blendenstufen) zum Einsatz. Mit dem Filter wurde der Himmel künstlich abgedunkelt, um somit einen Kontrastausgleich zwischen Vorder- und Hintergrund zu erzielen. Ohne Filter wäre der Vordergrund stark unterbelichtet und hätte kaum Zeichnung. Durch den Einsatz des Filters wurde auch der Leuchtturm abgedunkelt, was im Nachhinein in Lightroom korrigiert werden musste.


Nummer DREI

 

Ein weiteres Foto aus Dänemark im April 2019. Die Silhouette eines Fischers, der seine Netze im abendlichen Purpurlicht am Strand aufspannt.

 

Ich war auf der Suche nach einem Fotomotiv konnte aber, außer der typischen Bunkerruinen des Atlantikwalls, nichts am Strand von Blåvand finden. Plötzlich knatterte der Auspuff eines alten Mofas hinter meinem Rücken. In Zeitlupe schob sich die Knatterkiste mit dem alten Fischer am Lenkrad an mir vorbei. Was für ein Motiv - nur leider fuhr es gerade davon. Ein paar hundert Meter weiter hielt er kurz, um sein Netz am Strand aufzuspannen. Gerne wäre ich dichter rangegangen doch fehlte die Zeit hinterherzulaufen also versuchte ich die Szene aus der Ferne mit dem Teleobjektiv einzufangen.


Nummer VIER

 

Eigentlich belanglos und ja, ein Foto, dass es nur deshalb unter die 12 besten Fotos des Jahres geschafft hat, weil einfach kein besseres Foto da war. So habe ich es übrigens immer als Letzter in die Auswahl der Fußballmannschaft geschafft - war halt keiner mehr da und einen brauchten se noch.

 

Entstanden im Mai 2019 auf einer Wanderung auf dem Heidschnuckenweg in der Lüneburger Heide. Irgendwie mochte ich die Szene, die an Kinderfilme aus alten Zeiten - wie Süderhof und Co. - erinnert.


Nummer FÜNF

 

Bei manchen Fotos zählt das Gefühl bei der Entstehung des Fotos, um sie zu etwas Besonderem zu machen - so wie bei diesem hier, welches im Juli 2019 in Österreich entstand. Und zwar ein besonders unangenehmes Gefühl. Die Idee war am frühen Morgen in völliger Dunkelheit den Hochkeil hinaufzuwandern, um von dort oben den Sonnenaufgang im Tal zu fotografieren - das lief allerdings völlig anders als geplant und mit einem riesigen Schrecken.

 

Warum?

 

Das ist hier nachzulesen - Der mit dem Wolf tanzt.


Nummer SECHS

 

Ein Foto, welches eher zufällig im Vorbeigehen, ebenfalls im Juli 2019, in Österreich entstanden ist. Die Farbvariante wirkte kaum, so dass ich das Foto zunächst nicht weiter beachtete - erst beim zweiten oder dritten Blick kam die Idee einer Schwarzweiß-Umwandlung und plötzlich gefiel es mir. Es gibt Fotos, die in Schwarzweiß einfach besser wirken - manchmal lohnt einfach ein Versuch der Umwandlung.


Nummer SIEBEN

 

Auf dieses Foto - ebenfalls aus Österreich - passt leider das Prädikat "makelhaft".

 

Es war bereits nach Sonnenuntergang und nur noch wenig Restlicht vorhanden, als ich vom Gipfel des Hochkeils zurück zum Parkplatz wanderte und vor dieser Kulisse zum Stehen kam. Eine außergewöhnliche Szene mit dem wolkenverhangenen Hochkönig-Massiv im Hintergrund. Da ich auf dem Gipfel von einem starken Regenschauer überrascht wurde, meine Kleidung völlig durchnässt war und es bald völlig finster sein würde, hatte ich gar keine Lust mehr diese Szene zu fotografieren. Dennoch baute ich schnell das Stativ auf und machte überhastet noch zwei oder drei Langzeitbelichtungen, ohne die Fotos auf dem Display zu kontrollieren. Leider stellte ich den Fokus in der Eile auf den Baum rechts neben der kleinen Berghütte, so dass die Hütte selbst recht unscharf dargestellt wird. Ein Fehler, der im Nachhinein nicht korrigierbar, aber äußerst ärgerlich ist. Ein Druck im Großformat wäre für meinen Geschmack ausgeschlossen, da der Makel hier besonders zur Geltung kommen würde. Ich mag es trotzdem, da ich die Szene mit dem wolkenverhangenen Hochkönig-Massiv außergewöhnlich finde. Wäre der Fokus allerdings an der richtigen Stelle - es wäre vermutlich meine Nummer EINS aus 2019.

 

Aber wie ein großer Philosoph bereits sagte - wäre, wäre Fahrradkette.


Nummer ACHT

 

Ein Foto eines Sonnenblumenfelds war ebenfalls schon lange ein Punkt auf meiner Wunschliste. Was für ein Glück, dass im August 2019 direkt hinter meinem Elternhaus ein Sonnenblumenfeld in voller Blüte stand.

 

Es war kurz vor Sonnenuntergang als ich mich mit Kamera und Stativ mitten im Feld an der schönsten Blüte platzierte. Natürlich hoffte ich auf einen spektakulären Sonnenuntergang - die Sonne würde genau hinter dem Feld untergehen. Stattdessen rollte eine Gewitterfront heran und bescherte zumindest eine bedrohlich wirkende Wolkenfront, die ich ebenfalls gerne in Kauf nahm.


Nummer NEUN

 

Die Heideblüte in der Lüneburger Heide war im August 2019 vermutlich die prächtigste seit einigen Jahrzehnten. Leider versäumte ich es die Pracht ausgiebig zu genießen. Zwar befinden sich einiger der schönsten Heideflächen quasi direkt vor meiner Haustür dennoch schaffte ich es viel zu selten raus in die Natur.

 

Das Foto entstand auf dem Brunsberg bei Sonnenuntergang. Ein Ort, den ich gerne immer wieder zu jeder Jahreszeit aufsuche und an dem viele meiner liebsten Heidefotos entstanden sind.


Nummer ZEHN

 

Ein weiteres Foto mit dem Prädikat "makelhaft". Das Motiv der Seebrücke am Timmendorfer Strand, welches mich bereits seit langem reizte. Erstmals bin ich auf das Motiv durch die großartige Hamburger Fotografin Silvia, alias Silly-Photography aufmerksam geworden.

 

Also begab ich mich im Oktober 2019 pünktlich zum Sonnenaufgang an den Strand, um dort erschrocken festzustellen, dass die Umsetzung der Bildidee, die ich im Kopf hatte, nicht funktionieren würde. Durch starken auflandigen Wind und damit einhergehendem hohen Wasserstand waren die Steinbuhnen, die den Strand säumen, unter der Wasseroberfläche verschwunden - und damit der Vordergrund zu meiner Bildidee. Ein gutes Landschaftsfoto braucht einen Vordergrund oder andere gestalterische Elemente wie Linien oder Rahmen, die ebenfalls nicht zur Verfügung standen. Glücklicherweise entdeckte ich in der Ferne ein unscheinbares Holzstöckchen, welches nun als Vordergrund dienen sollte.

 

So weit, so gut - zu sehr beschäftigt mit der Bildkomposition hat sich mir hier leider ein technischer Fehler eingeschlichen.

 

Die Kamera befand sich ca. 20 Zentimeter vor dem Stöckchen und damit außerhalb der hyperfokalen Distanz, so dass zwei Aufnahmen notwendig wurden, um ausreichend Tiefenschärfe für die gesamte Szene zu erzielen.

 

Die erste Aufnahme fokussierte auf die Seebrücke im Hintergrund, um diese scharf abzubilden. Die zweite Aufnahme auf das Stöckchen im Vordergrund, um jenes scharf abzubilden. Und bei dieser Aufnahme schlich sich dann der Fokus-Fehler ein, durch den das Stöckchen nicht von vorne bis hinten scharf abgebildet ist - somit befindet sich eine unscharfe "Lücke" zwischen Vorder- und Hintergrund. Was für ein Pfusch und vor allem Ärgernis, denn der Sonnenaufgang hat sein Bestes gegeben, weshalb ich es wegen der Stimmung trotzdem mag.

 


Nummer ELF

 

Im Oktober 2019 fuhr ich eines Morgens zum Sonnenaufgang an die Elbe bei Lühe. Ich wusste nicht was mich erwarten würde, nur, dass mit klarem Himmel und Frost zu rechnen sei. Typische Bedingungen, die zu dieser Jahreszeit zu einer Nebelglocke über der Elbe führen und genau das war meine Hoffnung.

 

Tatsächlich zeigten sich vor Ort perfekte Bedingungen nur tat ich mich schwer mit dem Auffinden eines Motivs oder besser gesagt mit der Bildgestaltung. Neben diesem Foto entstand noch ein Weiteres, welches den Tower eines Container-Riesen zeigt, der aus dem Nebel der Elbe emporragt, und zwar außergewöhnlich aber vom Bildaufbau her recht langweilig ist.


Nummer ZWÖLF

 

Schloss Glücksburg, eines der wohl schönsten Motive im hohen Norden Deutschlands und für mich im November 2019 der krönende Abschluss.

 

Wir verbrachten ein langes Wochenende in Glücksburg und mit unserer Anreise begann es zu regnen - nein es begann zu schütten - was die Wolken hergaben. Ich war frustriert, denn auch dieses Motiv befand sich bereits seit langer Zeit auf meiner Fotoliste und ich wollte nicht ohne ein Foto des Schlosses wieder abreisen.

 

Nach drei Tagen Dauerregen zeigte sich plötzlich am Sonntagmorgen vor unserer Abreise ein unangekündigtes Sonnenloch. Am frühen Morgen stand ich also mit Kamera und Stativ am See und versuchte mich an einer Bildkomposition. Die Steine waren ein netter Vordergrund, der dem Bild Tiefe verleihen sollten. Allerdings waren die Steine von einer Menge Laub umsäumt, so dass ich mich wie der Tatortreiniger zunächst ans Aufräumen machte. Beim Herausfischen der Blätter entstand dann die Idee einen der Steine mit einem stattlichen Blatt zu "tapezieren" um so noch ein bisschen mehr Stimmung ins Foto zu bringen.

 

Mit dem Ergebnis zufrieden konnte ich nun entspannt aus dem schönen Glücksburg abreisen und das fotografische Jahr 2019 abschließen.


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